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AidToo, ein Störversuch

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AidToo, ein Störversuch
Strategien gegen sexualisierte Gewalt im Aid Business
[email protected] 19 August, 2020 - 12:45

Keywords: MeToo, AidToo, development cooperation, aid industry, feminism, sexual violence, digital activism

Schlagwörter: MeToo, AidToo, Entwicklungszusammenarbeit, Hilfsorganisationen, Feminismus, sexualisierte Gewalt, Online-Aktivismus

Wo ist Aidland? Was ist geschehen?

Historisch nicht neu, nicht überraschend, und doch eine "Aufdeckung", die die Maschinerie der internationalen Hilfsorganisationen zu erschüttern schien: Institutionen der humanitären Hilfe, der Entwicklungszusammenarbeit und der UN-Friedensmissionen, so wurde medial breit offenbart, bergen und verbergen Praktiken sexualisierter Gewalt. Auf die Veröffentlichung des "Oxfamskandals"[1] Anfang 2018 reagierten engagierte und Boulevard-Journalist*innen, feministische Aktivist*innen und Entwicklungsmanager*innen, Expert*innen und große politische Institutionen. Ein Hashtag entstand: #AidToo.

Eine öffentliche Enthüllung erzeugt Momente des Schocks selbst bei Rezipient*innen, die keine unmittelbaren Akteur*innen des Enthüllten sind. Die Aufdeckung verstört und schreckt auf, selbst wenn eine*r längst weiß, dass das aktuell skandalisierte Feld eng in Gewaltverhältnisse eingeschrieben ist; in die Gewalt vergeschlechtlichter Ungleichheit, in die Fortschreibung kolonialer Ausbeutungsbeziehungen, in rassistische Verhältnisse, in Figurationen sexueller und sexualisierter Macht. AidToo ist, vor diesem Hintergrund, mittels feministischer, postkolonialer und queerer Theorien zu sozialen Ungleichheiten zu befragen, aber ebenso mittels einer Reflexion der Affekte, die diese Geschichte/n produzierten. Meine analytische und zugleich affektive Annäherung an das schwierige, anrührende Thema wird sich auf folgende Handlungsfelder konzentrieren: den Raum für Aktivismus und Protest, den die als Spinoff von #MeToo geprägte Kampagne #AidToo eröffnet hat; die Debatten in der Blogosphäre; und den strategischen Umgang betroffener Institutionen mit den Aufdeckungen. Dabei geht es mir in besonderer Weise um die Frage, wie in diesen Handlungsfeldern Körper und Sexualitäten normiert oder Normüberschreitungen (denk-)möglich werden. Zu allererst aber muss eine*r sich ein wenig Überblick verschaffen. Was ist überhaupt der "aid sector", wo ist er, und was ist da geschehen?

Den Apparat internationaler Entwicklungspolitik, die Ideologie und Industrie der Entwicklungszusammenarbeit, die Gesamtheit der Akteur*innen in diesem Feld werden oft in das Kürzel "aid", "aid sector", "aid business" gefasst. Kritische Theoretiker*innen und Praktiker*innen arbeiten manchmal mit dem Begriff Aidland. Er scheint mir gerade für post-/dekoloniale Analyse der internationalen Ungleichheits- und Machtbeziehungen sehr brauchbar, erschließt er doch Zugänge zu ökonomischer, sozialer und kultureller Kritik gleichermaßen. Aidland als Metapher veranschaulicht "die Welt der 'Hilfe' als ein komplexes, mehr oder weniger in sich geschlossenes Netz an Institutionen, Personen und Aktivitäten, mit einer Reihe ganz eigener Haltungen, Diskurse und Praktiken" (Fechter 2011: 131; vgl. Mosse 2011).[2] Diese "Welt der 'Hilfe'" umfasst multinationale und bilaterale Einrichtungen, Teilorganisationen der UNO, Institutionen staatlicher Außenpolitik, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO[s] – Non Governmental Organisation[s]), von großen Konfessionsgemeinschaften oder kleinen Privatinitiativen getragene Projekte, Programme der Entwicklungszusammenarbeit, der Katastrophenhilfe und der Hilfe in Flüchtlingslagern, die Strukturen internationaler Friedensmissionen … In Aidland gelten eigene Sprach- und Verhaltensregelungen und ein spezifisches Narrativ von Fortschritt. Akteur*innen arbeiten auf der ganzen Bandbreite von Freiwilligen bis zu hochbezahlten Expert*innen, von weißen, westlichen, geografisch mobilen "Macher*innen" bis zu lokalen Kooperationspartner*innen. In Aidland liegt ebenso die "development-Kontaktzone", in der die "Zielgruppen" am Funktionieren des globalen Diskurses von Hilfe, Entwicklung und Frieden mit- und weiterbauen. Manche Autor*innen beschreiben Elemente dieses Diskurses als mimetisch, ironisch und parodistisch (Hacker 2007; Olivier de Sardan 1995). Die Welt der internationalen Hilfe hat eigene Kritiker*innen hervorgebracht. Diese arbeiten mit anti-, post- und dekolonialen Ansätzen für eine Einordnung der "Hilfe"-Politiken in globale Gewaltverhältnisse, mit Befunden des postdevelopment für die Dekonstruktion von "Entwicklung" als (westlicher) "Meistererzählung", mit Neoliberalismusanalyse, mit feministischen und queer-theoretischen Perspektiven auf globale vergeschlechtlichte und sexualisierte Machtverhältnisse (vgl. Hacker 2012). Aus ihren Befunden lässt sich folgern, dass das Paradigma der internationalen Entwicklung mitsamt der Fortschreibung globaler Ungleichheits- und Ausbeutungsverhältnisse spätestens seit den Anfängen des Kalten Krieges gleichsam "überall" ist. Die Grenzen von Aidland lassen sich somit gar nicht recht festmachen.

Die unter AidToo rubrizierten Skandale nehmen ihren Beginn mit der medialen Aufdeckung sexueller Übergriffe bei Oxfam, einer 1942 gegründeten großen internationalen NGO mit langjährigem Schwerpunkt auf Armutsbekämpfung in britischen Kolonien (und jährlichen Einnahmen von zuletzt etwas mehr als 1 Mrd. €).[3] Anfang 2018 schlossen sich Regierungsstellen in Haiti offiziell dem Vorwurf an, männliche Mitarbeiter der NGO hätten während ihres Einsatzes nach dem Erdbeben 2010/2011 sexuelle Dienstleistungen gekauft, "Sexpartys" mit einheimischen Frauen gefeiert und Hilfsgüter erst im Tausch gegen Sex zur Verfügung gestellt. Der Landesdirektor war bereits im Zuge früherer interner Untersuchungen ausgeschieden, nun trat die Vizedirektorin zurück, die Organisation entschuldigte sich bei Regierung und Bevölkerung, Großbritannien strich Oxfam die staatlichen Fördergelder, und Haiti untersagte der NGO schließlich dauerhaft die Arbeit vor Ort. Auf die ersten medialen Aufdeckungen zu Oxfam in Haiti folgten rasch weitere Meldungen über sexuelle Übergriffe und sexualisierte Gewalt in verschiedensten Einrichtungen der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahren. Geografisch ging es sowohl um Länder des Globalen Südens als auch um Zentren im Globalen Norden. Nach den personellen Konsequenzen bei Oxfam gab es etwa bei UNICEF den Rücktritt eines stellvertretenden Direktors. Organisationen wie Plan International oder Ärzte ohne Grenzen entschieden sich für ein proaktives Veröffentlichen der Zahlen zu den Anzeigen wegen sexueller Übergriffe und sexualisierter Gewalt in ihrer Organisation. Als eine weitere namhafte NGO war Save the Children in die Skandalisierungen verstrickt.

Sexualisierte Gewalt in Aidland thematisieren: Wer oder Was?

Soziale (und) Online-Medien spielten in den Aufdeckungsprozessen eine große, wenngleich hinsichtlich Verbreitungsgrad und Dichte vor allem der Ich-Erzählungen keine mit #MeToo vergleichbare Rolle. Es war eine auf Kommunikationsstrategien in der Entwicklungsindustrie spezialisierte Plattform, die Ende November 2017 erstmals den Hashtag #AidToo twitterte.

Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Workshops zu diesem Themenfeld folgten im Lauf des Jahres 2018, zumeist in Ländern des Globalen Nordens, hie und da mit Sprecher*innen aus dem Globalen Süden. In New York lud das UN Feminist Network Gender at Work im März zu #AidToo. Speaking out about sexual harassment and abuse of power, das entwicklungswissenschaftliche Graduate Institute in Genf bot im Mai einen Workshop an mit dem Titel #AidToo: Sexual Exploitation in International Cooperation, für Oktober findet sich eine Abendveranstaltung an der London School of Economics, #AidToo: Where Do We Go From Here; oder ein Panel zum Thema Sexual Exploitation and Abuse of Power: Prevention and Response beim alljährlichen Humanitarian Congress in Berlin. Als repräsentativ angelegten Gipfel gestalteten britische Regierungsstellen im Oktober 2018 eine mit AidToo Summit bezeichnete Konferenz.

Auflagenstarke Printmedien berichteten zum Oxfamskandal grell stereotyp. The Times eröffnete mit "Orgie wie im alten Rom mit Prostituierten in Oxfam-T-Shirts" (The Times, 9.2.2018). Es dominierten reißerische und voyeuristische Darstellungen von fetten weißen Männern mit dicken Autos, die verängstigte, Hunger leidende Schwarze junge Frauen knechten. Den "Qualitätsmedien" gelang die Auseinandersetzung mit dem Thema manchmal nur wenig besser. So präsentierte etwa Carolin Emcke, preisgekrönte gesellschaftskritische Essayistin, ihre Imaginationen zum Szenario der sexuellen Ausbeutung in Krisengebieten plakativ folgendermaßen: "Wie befriedigt kann jemand sein, der um sich herum nur Trümmer, Beinamputierte und hungrig-halluzinierende Menschen sieht, und vor sich eine Frau, die ihm ihren Körper verkauft?" (Süddeutsche Zeitung, 16.2.2018) Die Chance einer umfassenderen Reflexion zu den Möglichkeiten und Grenzen ausbeuterischen oder, andererseits, widerständigen Handelns in globalen "Hilfs"-Strukturen wurde selten ergriffen.

Dabei hat Entwicklungskritik ja lange schon detailliert beschrieben, inwiefern internationale "Hilfs"- und "Kooperations"-Beziehungen als eigene Macht-Wissens-Systeme auf dem othering nicht-weißer und nicht-männlicher Subjekte basieren (z.B. Escobar 1995) und eine lange Geschichte der Disziplinierung "fremder", "hilfs"- oder "entwicklungsbedürftiger" Körper fortschreiben (vgl. Hacker 2013a). (Übrigens gab es auch im akademischen Feld zumindest bis weit ins Jahr 2019 hinein international so gut wie keine Analysen zu AidToo.)

Die neueren Aufdeckungen sexualisierter Gewalt in Aidland erfassen: Ich gehe dies mit dem Instrumentarium queer-theoretischer, postkolonialer und intersektionell-feministischer Analyse an und richte Aufmerksamkeit zugleich auf verkörpertes und affektives Wahrnehmen. Mein Erkenntnisinteresse bezog und bezieht sich vor allem auf die Frage, wie sich die in AidToo involvierten Akteur*innen mit den Verflechtungen von Gewalt und Begehren, Ausbeutung und Sexualisierung im Rahmen internationaler "Hilfe"-Politiken auseinandersetzten. Mit welchem Verständnis von Körpern und Sexualitäten argumentierten sie? Inwiefern schrieben sie Normierungen fort, mit welchen Strategien brachen sie gewaltvolle – rassistische, kolonialistische, sexistische – Handlungsmuster auf? Die Analysefragen, die ich im Einzelnen noch ausführe, schienen mir vor meinem theoretischen Hintergrund durchwegs naheliegend und gar nicht außerordentlich ausgeklügelt, und doch sollte ich mit ihnen an den Befestigungen von Aidland immer wieder unvermutet abprallen. Die Logik des institutionellen Diskurses erwies und erweist sich zumeist als stärker denn die "Störversuche" in Gestalt politischer Analysen. Unter dieser Maßgabe also betrachte ich nun folgende Fragmente des AidToo-Diskurses und seines Potenzials, zu verstören und aufzustören, näher: das speaking out zum Erleben von Gewalt, die Grenzen des Potenzials von transformativ konzipiertem Aktivismus, die Geschichte des Hashtags #AidToo und weitere mediale Strategien zur Diskursivierung dieser Verstrickungen von "Hilfe", Begehren und Gewalt sowie einige konkrete Mechanismen der von James Ferguson prominent analysierten bürokratischen "anti-politics machine" (Ferguson 1994). Die (sprichwörtlichen) Elefanten im Raum[4] heißen, dies sei vorweggenommen, Begehren, Sexarbeit, pornografische Aneignungen.

Speaking Out: Mund aufmachen und Whistleblowing

Den Affekten des Schocks nach den Aufdeckungen und ihrem Potenzial, aufzustören, möchte ich Bedeutung zumessen. Ich gehe von der These aus, dass sich mit dem Benennen, mit der Empörung ein Möglichkeitsraum öffnet, ein Handlungsfenster, innerhalb dessen Solidarität und Vernetzung realisierbar erscheinen. Das "Jetzt!", wie sehr es in seiner Unvermitteltheit auch historisches Wissen ignorieren mag, verschafft sich für einen utopieträchtigen Moment Gehör und Gerechtigkeit. Einen Augenblick lang geraten überkommene Strukturen und Selbstverständlichkeiten ins Wanken, sie lassen sich erschüttern und verschieben, ehe Schließungsmechanismen wieder greifen (die ihrerseits noch zu diskutieren sein werden). In diesem Potenzial lag meines Erachtens das #MeToo-Moment in Aidland. Welche Handlungen begründeten es? Welche Sex/Gender-Normierungen, welche Machtverhältnisse im Gefüge internationaler Ungleichheiten erschienen für einen Moment überschreitbar? Und für wen mochte dies überhaupt gelten? Ich unterscheide dabei kollektives Bewegungshandeln, das Protest- und Unterstützungsnetzwerke stärken will, von der Ebene einer Beteiligung an der Hashtagkampagne (vgl. Cherniavsky 2019). Bei meiner Annäherung an die Artikulationen als Protestbewegung bleibe ich beim Kürzel "AidToo", beziehe mich aber zunächst nicht in erster Linie auf die Verbreitungsstrategien des Hashtag.

Den AidToo-Diskurs durchzieht die Figur des speaking out und seine von Protestbewegungen immer wieder beschworene Mächtigkeit. Speaking out steht in der feministischen Tradition des Aufrufs, mit dem Brechen des Schweigens als ein Ich zu sprechen, das sich als freies Subjekt verwirklicht (vgl. McKinney 2019; Serisier 2018). Zwar findet diese Position eine Entsprechung in neoliberalen Regimes; gleichwohl sind Ich-Narrationen der feministischen Widerstandsgeschichte ebenso eingeschrieben, wie die Erzählform des testimonio – vor allem in lateinamerikanischen Kontexten – eng zur Geschichte des antikolonialen und antiautoritären Protests gehört (vgl. Beverley 2004; Gugelberger 1996). Selbst-Sprechen und Zeug*innenschaft eröffnen stets auch einen Raum für Zuhörende, für das verkörperte, empathische Hören und Lesen. Das "feministische Ohr" (Ahmed 2017: 229) nimmt auf, was die Gesellschaft nicht hören will und kann. Als (potenziell) Betroffene folgen wir dem Hören erlebter Gewalt mit eigenem Körpereinsatz und seinen Erinnerungen. In den Konstellationen von Prekarisierung, Marginalität und den Kämpfen dagegen verweist Aus-Sprechen sexualisierter Gewalterfahrung immer zugleich auf die Komplexität der Diskriminierungszusammenhänge, auf Unordnungen, die nicht eingrenzbar sind auf ein einzelnes traumatisches Erlebnis, und auf die potenzielle Queerness unserer Wahrnehmung, wenn wir zuhören (vgl. Rodríguez 2019).

Auf Bezeugungen Betroffener aus früheren Ermittlungen zu (zahlreich aufgedeckten) "food-for-sex"-Praktiken von Hilfsorganisationen wird gelegentlich zurückgegriffen; weit öfter als Ich-Aussagen betroffener Angehöriger von Zielgruppen dieser Organisationen finden sich aber solche von Mitarbeiter*innen aus dem unteren oder mittleren Management sowie die Sprechposition als – ebenfalls innerhalb der Organisationsstrukturen situierten –Whistleblower*in. Wenn sich der Vorgesetzte an dich heranmacht und zugleich derjenige ist, der deine Abreise, für die es im Krisengebiet ohnedies kaum ein Transportmittel gibt, genehmigen muss, was dann? "Ich sah keine andere Möglichkeit, als mich auf den Sex einzulassen", resümierte eine Entwicklungsarbeiterin (Edwards 2017). Die NGO Safe Space dokumentierte Aussagen über sexuelle Belästigung quer durch die Hierarchien und über Vergewaltigungsversuche bei Einstellungsgesprächen (Aziz u.a. 2018: 3). Eine stark inszenierte Text-/Ton-Collage stellte der offizielle britische Videoclip Are you listening zusammen:

"Ich lasse mein Kind bei meiner kleinen Schwester […] und ziehe mich hübsch an und gehe dahin, wo die NGO-Männer trinken oder wohnen, und einer will dann sicher Sex von mir. Manchmal geben sie mir Essen oder Öl oder Seife, und ich verkaufe das dann und kriege Geld."[5]

Eine Whistleblowerin sagt im Interview:

"Uns hat ganz bestimmt niemand dazu eingeladen, über unsere Erfahrungen zu reden […]; die Medien wurden unter Druck gesetzt, unsere Geschichten nicht zu veröffentlichen."[6]

In der Perspektive verkörperten und affektiven Rezipierens (vgl. Rodríguez 2019: 124) lässt sich hier anfügen: Je genauer ich die auffindbaren "Überlebensgeschichten" anhöre oder lese, desto komplexer deutet mein Zuhören auf mich selbst zurück. Sie eröffnen (mir) die Möglichkeit, an ihr bloßes Vorhandensein das Phantasma zu knüpfen, die sexistische und rassistische Logik des aid business zur Implosion zu bringen. Zugleich will die Verhaltenheit in diesen Zeugnissen gehört werden. Ihre eher zurückgenommenen denn forcierten Emotionen können (mich) auch enttäuschen – und vielleicht verschwistern sie sich so erst recht mit m/einem Wunsch nach "mehr" politischem Aufbegehren und Aufstören.

Aidland feministisch aufmischen: AidToo als Bewegung

Zwar gespenstert die Geschichte der Solidaritätsbewegungen mit der "Dritten Welt" durch die Handlungszusammenhänge von Aidland; im Zuge von "1968" gab es auch in diesen Institutionen Auflehnung gegen autoritäre Strukturen; so genannte Frauen-Süd-Netzwerke haben die Geschlechterungleichheiten in der Entwicklungszusammenarbeit offensiv attackiert, und selbstverständlich gehören vielfältige Widerstände in den Partner- und Einsatzländern zur aid-Landschaft. Gleichwohl lässt sich Aidland nur schwer als Terrain für Protestbewegungen und aktivistische Artikulationen wahrnehmen. Größere feministische, gar queer-feministische kollektive Proteste, zumal in Gestalt transnationalen Aufbegehrens, wählen sich in aller Regel nicht die Rahmung "aid". Dies bedeutet, dass mit AidToo-Aktivismen ein neues Phänomen an "Bewegung" nach Aidland kam (oder zu kommen versuchte). Die Aufdeckungen konzentrierten sich insgesamt stark auf den britisch dominierten Kontext; daher scheint es naheliegend, dass die vergleichsweise am intensivsten rezipierten feministischen Initiativen ebenfalls hier (re-)agierten. Wie waren sie miteinander verflochten, welche Proteststrategien wählten sie, und welche politischen Deutungsmuster arbeiteten sie aus?

"Als Antwort auf AidToo", wie es auf ihrer Website heißt, gründete eine kleine Gruppe von Aktivistinnen die NGO Safe Space. Mit Shaista Aziz zählt eine ehemalige Mitarbeiterin von Oxfam zu den Proponentinnen. Teresia Pepper de Caires wiederum wurde als Whistleblowerin medial bekannt, als sie sich – unterstützt von der Women's Equality Party – mittels Störaktion bei einer Sitzung ihres ehemaligen Arbeitgebers Save the Children Gehör verschaffte.[7] Safe Space definiert sich selbst als intersektionell-feministisches Forum, das Zeug*innenschaft zu sexuellen Übergriffen und sexualisierter Gewalt im aid sector dokumentiert und vertiefende politische Kritik öffentlich macht. Die Aktivitäten reich(t)en von journalistischer Arbeit und Vorträgen über systematische Online-Umfragen bei Betroffenen und detaillierte Handlungsaufforderungen an Institutionen bis zu einer spontanen Intervention beim "AidToo"-Gipfel der staatlichen britischen Entwicklungszusammenarbeit, wo Pepper de Caires das Redner*innenpult stürmte. Safe Space prangert sehr deutlich die generell marginalisierte Situation von Women of Colour, den Rassismus in den Strukturen des aid business, die whiteness dieses Sektors und seine koloniale Prägung. "Solange die Lebenswirklichkeiten von Women of Colour nicht an vorderster Front von #AidToo stehen, sind wir Lichtjahre entfernt von einer Bewegung." (Aziz 2018a)

Die gewalttätigen Praktiken sind für diese Expertinnen nichts Neues. Ihre Statements sprechen von den Stimmen der weiblichen Zielgruppen im Feld als etwas, das zwar schon bisher zu hören war, ein wirksames Sich-Zu-Gehör-Bringen aber allein nicht zu entfalten vermag.

"Im Lauf der Jahre habe ich viele, viele Frauen getroffen, die mir erzählten, wie sie […] zu Sex aufgefordert wurden als Bedingung dafür, dass ihre Kinder Essen und Zugang zu Wasser bekämen. […] Wir wissen alle, dass es im humanitären Sektor diese Geschichten gibt, und zwar schon seit Jahrzehnten – was ist nun das Besondere an den jetzt aufgekommenen Geschichten zu Oxfam, Save the Children, Ärzte ohne Grenzen und den UN-Organisationen?" (Aziz 2018b)

Den Unterschied mache MeToo als eine globale Bewegung, in die AidToo sich nun einreihen könne (ein wenig, als hätte es bisher nie Kämpfe gegen Gewalt an Frauen gegeben). Die Handlungsorientierung von Safe Space hält sich an das Postulat, Feminismus sei in erster Linie die Aufgabe sozial gut abgesicherter Akteur*innen; dies geht mit der Überzeugung einher, es gebe im aid business geradezu massenhaft Feministinnen, die nur endlich als Expertinnen wahrgenommen werden müssten.

Mit Safe Space zu Teilen verknüpft war die Initiative eines Offenen Briefes, den anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2018 "tausend Frauen" an Verantwortliche in humanitären und entwicklungspolitischen Institutionen richteten.[8] Angestoßen hatten dies Alexia Pepper de Caires, Sarah Martin, Anne Quesney und Danielle Spencer. Der Open Letter repräsentiert die erste große kollektiv organisierte und dementsprechend breit wahrnehmbare Aktion im Kontext von AidToo. Die Verfasserinnen sprechen darin im Namen von Frauen und Mädchen und ganz besonders im Namen derer, die sich selbst nicht Gehör verschaffen könnten. Der Brief richtet sich an männliche Handlungsträger, wobei die Adressierung widersprüchlich bleibt; Männer in Leitungspositionen erscheinen gleichzeitig als zumindest potenzielle Täter und als Ansprechpersonen für die Forderungen des Briefes, somit als Zuständige für Verfolgung und Bestrafung. Die Front zwischen den (ganz binär gesetzten) Geschlechtern wird im Übrigen recht scharf gezogen; nur eine Fußnote weist auf die entfernte Möglichkeit männlicher Opfer und weiblicher Täter hin. Die Selbstzeugnisse und die whistleblowing-Aktionen konstatiert der Brief als vollzogene Tatsachen, seine Dynamik zieht gleichsam einen Schritt weiter; dank der Frauen, die "solidarisch mit ihren Schwestern auf aller Welt" aktiv würden, gehe es nun um institutionelle Reformen.

ChangingAid schließlich, eine weitere sehr aktive britische Initiative, definiert sich ähnlich wie Safe Space als informelle Gruppierung feministischer Akteurinnen im humanitären und entwicklungspolitischen Bereich, wurde allerdings schon früher gegründet. Bereits mehrere Jahre vor dem Oxfamskandal publizierte ChangingAid Studien und Berichte etwa zu geschlechterbasierter Gewalt und zu disabilities. Die Gruppe beteiligte sich mit einer Stellungnahme, in der das Aufbrechen patriarchaler Strukturen eingefordert wird, an der Umfrage des International Development Committee im Zusammenhang mit dessen 2018 entstandenem Untersuchungsbericht (ChangingAid o.J. [2018]). Die Argumentationsmuster der feministischen Initiativen unterfütterte ChangingAid akademisch: Danielle Spencer, Genderexpertin, stellte ihre Masterarbeit über sexuelle Ausbeutung im aid sector unter dem augenfälligen Titel Cowboys and Conquering Kings hier online (Spencer o.J. [2018]). Ihre Analyse gilt unter anderem den verschiedenen Formationen hegemonialer Männlichkeit in diesem Feld und den Mikrostrategien, mit denen potenzielle oder realisierte sexualisierte Gewalt bei aid-Einsätzen verharmlost, ignoriert, bestritten, bürokratisiert oder dem "großen Ganzen" untergeordnet wird. Einige von Spencers Befunden, etwa die Exkulpierung weißer Täter und die Bedeutung ökonomischer Hierarchien zwischen Akteur*innen, wurde auf eine handliche Punktation von Fakten und Forderungen heruntergebrochen (ChangingAid o.J. [2018]).

Insgesamt, so würde ich hier resümieren, realisierten die feministischen Initiativen durchaus Momente einer unübersehbaren Auflehnung im Öffentlichen, ein Anprangern mit der Stimme vieler, eine intersektionell ambitionierte Solidarisierung und einiges an geschliffener Analyse. Diese Ansätze behalten trotz aller Begrenztheit ihren Wert. Begrenzt werden sie nicht zuletzt von eigenen Ausblendungen: Ich finde wenig an Strategien gegen neoliberale (und) kapitalistische Fundierungen von Sexismus und Rassismus, die ja mit den Arbeitsverhältnissen im aid sector zusammengedacht und gemeinsam bekämpft werden sollten. Auch ist der Zugang von Safe Space und ChangingAid zu Sex/Gender evident kein queer- oder transfeministischer. Die Begrenztheit der Ansätze zu kollektivem, feministischem Protest betrifft konsequenzenreich auch die (mögliche) politische Allianzenbildung mit verschiedensten minorisierten Akteur*innengruppen, zu denen etwa explizit dekoloniale oder Sexarbeiter*innen-Bewegungen zählen.

Influencer*innen und was sie uns (nicht) erzählten: #AidToo als Hashtag

Dem Störpotenzial von #AidToo nachzuspüren, dies verweist (mich), wie schon die Hashtag-Markierung nahelegt, auf die Ebene von Medienanalysen. Verschiedenste Newsplattformen und Blogs im Schnittfeld von Journalismus, Wissenschaft und politischem Engagement beteiligten sich an der Formation des medialen Raumes, der AidToo mitdefinierte. Ich betrachte diese – reflexive und vielfach feminismusaffine – mediale Öffentlichkeit ausgehend von der Plattform Devex und anschließend anhand weiterer diskursiver Strategien in der Blogosphäre. Wie thematisier(t)en diese #AidToo-Akteur*innen Sex und Gender, inwieweit diskursivier(t)en sie Dimensionen von Begehren und sexuellen Rechten, und in welchen Zusammenhang von Entwicklungskritik oder Dekolonialisierung stell(t)en sie sich?

Der Hashtag #AidToo ist eine Schöpfung von Devex, einer in Washington ansässigen Organisation (mit weiteren Büros in Barcelona und Manila), die offensichtlich in erster Linie online operiert und zu der verhältnismäßig wenig Hintergrundinformation auffindbar ist. Sie bezeichnet sich selbst als "die Medienplattform für die globale Entwicklungs-Community" mit einem Team aus "100+ star performers" in der recruiting- und business-development-Komponente des Unternehmens, "1000+" Geberorganisationen beziehungsweise NGOs als Mitgliedern und weltweit mehr als "1 million+ dev professionals", die sich via Devex informieren und vernetzen.[9] Die News-Seite wird sehr intensiv befüllt; zum Stichwort AidToo brachte Devex ab Dezember 2017 fortlaufend Meldungen und Kommentare.[10]

Auf devex.com selbst hatte der Hashtag eine längere Vorlaufzeit. Seit Anfang 2017 – also noch vor der Verbreitung des Hashtag #MeToo – berichtete hier Sophie Edwards, britische Journalistin und Absolventin des Institute of Development Studies in Sussex, von ihren Recherchen zu sexualisierter Gewalt im aid sector und transportierte so ein genuin feministisches Thema in die spezifische Öffentlichkeit des aid business. Ausführlich stellte sie etwa die Initiativen Humanitarian Women's Network und Report the Abuse vor (Edwards 2017; vgl. Mazurana & Donnelly 2017), die in den Monaten und Jahren zuvor einschlägige Daten erhoben und publiziert hatten und in der Folge als zentrale Referenz fungieren sollten.

Der Hashtag #AidToo tauchte zeitlich zwischen einer ersten, damals noch wenig wahrgenommenen Meldung in der Londoner Zeitung The Times zu Anschuldigungen gegenüber Oxfam und den großen, ebenfalls von The Times angestoßenen Berichten zum Oxfamskandal auf (The Times, 28.10.2017; 9.2.2018). Der Account von Devex postete ihn auf Twitter am 29.11.2017, in einer Grafik mit dem Schriftzug "#AidToo Twitter Chat" vor einer stilisierten Weltkugel, begleitet vom Tweettext "Die aid-Industrie hat ein großes Problem mit sexuellen Übergriffen" und der Terminankündigung zum Chat. Am 1.12. hostete Devex zusammen mit Edwards und anderen ein live-event auf Facebook und am 6.12. schließlich die Diskussion auf Twitter (vgl. Cornez 2019: 16-18). Als Online-Kampagne funktionierte #AidToo eher durchschnittlich denn überragend. Wie Natacha Cornez in ihrer Masterarbeit erhoben hat, stieß die Devex-Initiative in der Twitter-community anfangs auf mäßiges Echo, flaute bald ab und kam erst einige Tage nach dem Times-Bericht zum Oxfamskandal im Februar 2018 erneut in Schwung (ebd.: 29). Im Zeitraum von Ende November 2017 bis Ende September 2018 enthielten rund 13.000 Originaltweets den Hashtag, 26.000 Mal wurde retweetet oder geliked, mehr als 5.000 Accounts beteiligten sich, und insgesamt ist die Reichweite – berechnet auf der Basis der Zahl der Follower je aktivem Account – mit knapp 117 Mio. Rezeptionen zu veranschlagen. Für eine Hashtag-Kampagne sind dies alles relativ niedrige Zahlen (ebd.: 25f). Soweit sie ihren geografischen Ort getaggt haben (das ist für weniger als zwei Prozent der Profile der Fall), beteiligten sich an der Informationsstreuung und den Debatten in erster Linie Accounts von Personen und Organisationen aus der Schweiz, den USA und Großbritannien, gefolgt von Frankreich, Kanada, Norwegen und Serbien sowie schließlich Thailand, Kenia und Panama (ebd.: 35). Evident beschränkten sich also die Twitter-Aktivitäten weitgehend auf den Globalen Norden respektive auf die Orte multinationaler Organisationen.

Mir scheint bemerkenswert, wie massiv Devex – ungeachtet der quantitativen und geopolitischen Beschränkungen – den Diskurs zu den aufgedeckten sexualisierten Gewaltstrukturen in Aidland prägte und kanalisierte und sowohl die Formen der Erzählung als auch die Frage nach den Reaktionsmöglichkeiten spezifisch rahmte. Zunächst fällt auf, dass die Devex-Seite selbst gar keine Verbindung herstellt zwischen den vorangehenden Recherchen und Berichten (etwa durch Edwards) und der ersten Platzierung des Hashtag – als sollte hier ein Bruch vollzogen, ein neuer Anfang gesetzt werden, so dass der*die Rezipient*in einiges an Spürsinn und Neugier benötigt, um überhaupt auf diesen Zusammenhang zu kommen. Weiters fällt auf, dass von einer speaking-out-Rahmung der Empörung hier rasch Abstand genommen wurde, was ich als kommerzielle Medienstrategie eines vermarktungsbewussten Unternehmens deute, das sich selbst gar nicht als feministisch versteht. In einer markanten Verschiebung verlagerte der Hashtag die Aufmerksamkeit auf die Figur der aid-Fachkraft als Opfer/ Überlebende, während sich die früheren medialen Aufdeckungen auf die Konstellation von sexuell ausgebeuteten beneficiaries[11] einerseits und sexuell ausbeutenden aid-Akteur*innen (in leitender Position) andererseits konzentriert hatten. Eine weitere Verschiebung betrifft die Folgen sexualisierter Gewalt – viele Texte von Devex stellen weniger auf die persönlichen Konsequenzen von Gewalterfahrung ab als auf den Befund, die aid industry, "our industry", habe ein großes Problem. Dieses Problem gelte es nicht eigentlich, genauer zu konturieren, zu analysieren, auf historische Strukturen hin zu befragen oder gar politisch und öffentlich anzuprangern (wie es die aktivistischen Initiativen zumindest teilweise versuchten), sondern mittels Management-Maßnahmen rasch zu lösen.

#AidToo in der Blogosphäre und verstörende Elefanten in Aidland

Einige dieser Argumentationslinien wurden den meisten Blogs gemeinsam, die die AidToo-Erzählungen aufgriffen, fortsetzten oder vertieften. Gemeinsam ist ihnen auch, dass es sich bei den Autor*innen durchaus nicht immer um weiße oder in der jeweiligen westlichen Mehrheitskultur situierte handelt[12]; im Globalen Süden verorten sich allerdings die wenigsten. Eine Ausnahme bildet African Feminism, ein Blog von Journalistinnen, Expertinnen und Aktivistinnen aus verschiedenen anglophonen afrikanischen Ländern, die sich als Teil der "pan-African feminist family" bezeichnen. Beispielsweise problematisiert hier ein Appell der Uganderin Reheme Namukose (2018) die eigene Verstrickung in die Fallen des kolonialen und patriarchalen "weißen Rettungsindustriekomplexes", die ehrlich erkannt werden müsse. Blogposts thematisieren immer wieder das rassistische Agieren der aid-Industrie. Besonders markante Analysen publiziert – vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen unter anderem bei Oxfam in Haiti – die US-Amerikanerin Angela Bruce-Raeburn. In einer Vehemenz, an die das antirassistische Narrativ etwa von ChangingAid und Safe Space bei weitem nicht heranreicht, klagt sie weiße männliche Seilschaften und die Marginalisierung Schwarzer und/oder lokaler Kompetenz an (z.B. Bruce-Raeburn 2018a & 2018b). Auf die von Oxfam entwickelten Maßnahmen zum künftigen Schutz gegen sexualisierte Gewalt reagierte sie mit einem pointierten Fragenkatalog. "Wer sind diese neuen Sicherheits-Expert*innen? Sitzen sie in der Zentrale der jeweiligen humanitären Organisation und werden für die Durchführung der Trainings eingeflogen, oder sind es Einheimische […]?" (Bruce-Raeburn 2018c)

Neben der Figur "weißer Retterkomplex" sind die Befunde einer "Kultur des Schweigens" und einer "Kultur der Straflosigkeit" zentrale Konzepte in der kritisch kommentierenden Blogosphäre zu AidToo. Schweigen meint das Zum-Schweigen-Bringen von Whistleblower*innen. Der Blog Smart Development etwa zitiert eine Genderexpertin, die, als sie einen "food-for-sex"-Vorfall publik machen wollte, seitens des UNHCR ausdrücklich gewarnt wurde, sie würde künftig keinen Job mehr bekommen (Natacha 2018a). Die als allseits bekannt definierte Straflosigkeit von Tätern in Aidland argumentiert die Bloggerin am Beispiel des Kinder-Sexringes, den mehr als hundert UN-Friedensmissionsangehörige über zehn Jahre hinweg in Haiti betrieben ("und niemand ging dafür je ins Gefängnis") sowie entlang der Berufsbiografie eines im Zuge des Oxfamskandals prominent gewordenen aid-Funktionärs. Durch seine Karriere in mindestens vier verschiedenen Ländern und sukzessive bei drei Organisationen zögen sich nachgewiesene Vorhaltungen sexuellen Fehlverhaltens letztlich ganz ohne Konsequenzen (ebd.).

Mit queer-theoretischem Blick und feministischer Lust am Aufstören gelesen, fallen bei den meisten Blogs ganz die gleichen Auslassungen und Ausblendungen auf: Sie halten in ihrer kritischen Kommentierung inne, ehe es ans Vertiefen von Themen wie Heteronormativität oder Dekolonisierung von Begehren gehen könnte, und verschieben die Figur der Sexarbeit gänzlich in die Zonen des Verworfenen. Mit dem wiederkehrenden Schlüsselbegriff "sexuelles Fehlverhalten" verrätseln sie, was genau die Entsprechung sein soll zwischen der Nachfrage nach Sexarbeiter*innen und der sexualisierten Gewalt an anderen Menschen. Ist dies der "Elefant" im Raum von AidToo? Wenn der schwedische Blog Smart Development den Leser*innen das Null-Toleranz-Prinzip vorstellt, darunter das absolute Verbot der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen, fließen Erklärung und Befürwortung wie selbstverständlich in eins (Natacha 2018b). Fragen wie die, ob eine andere denn prohibitive Perspektive auf sexuelle Konstellationen in Gastländern überhaupt vorstellbar sei und ob Frauen in einer dramatisch schwierigen materiellen Situation möglicherweise ihrer eigenen Ausbeutung zustimmten, bleiben rhetorisch. "Wie sollen wir auf Fälle in der Grauzone von Gewalt reagieren?" (Natacha 2018c) Wie das hier zum Handeln aufgerufene "Wir" zu füllen ist, bleibt ungeklärt. Sind "wir", die Leser*innen, nie Betroffene komplexer sexueller Konstellationen, und können hiervon Betroffene nicht handeln? Texte von ChangingAid wiederum vermitteln, dass es den Aktivistinnen nicht (allein) um die Benennung und Ächtung sexualisierter Gewalt geht, sondern bereits um jedes potenzielle, etwa räumliche In-Kontakt-Kommen mit Sexarbeit. Der Arbeitgeber habe seine weiblichen Einsatzkräfte im Feld umfänglich davor zu schützen, auch nur in die Nähe einer Situation zu geraten, in der Angebot und Nachfrage für sexuelle Dienstleistungen verhandelt werden könnten (Spencer o.J. [2018]: 23). Dies entspricht einer Haltung, die die (transnationalen) Sexarbeiter*innenbewegungen als "SWERF" bezeichnen, als Sex Work Exclusionary Radical Feminism. Eine solche Haltung leugnet oder missbilligt historische und gegenwärtige Kämpfe von Personen im Bereich der Sexarbeit, und sozial bereits schwachen Akteur*innen wird ein weiteres Mal Handlungsmacht abgesprochen. Mit anderen Worten: Ein Moment des so trefflich enttarnten "Rettungs"-Komplexes findet sich in den Deutungsmustern der Kritiker*innen selbst.

Stattdessen könnte doch die Vielschichtigkeit von Begehren eingeräumt werden, zu der rassistische und koloniale Produktion ebenso dazugehört wie Aushandlungen und potenzielle Subversion. Die AidToo-Debatten umkreisen und verdecken zugleich, was Anne McClintock mit dem Begriff der "porno-tropics" auf den Punkt brachte, nämlich die Imagination der imperialistisch zu erobernden Fremde im "Orient" oder im "Süden" als sexuell begehrenswert und in hohem Maß vergeschlechtlicht (McClintock 1995: 21-24). Ebenso verdecken sie beredt, was feministische und/oder postkoloniale Zugänge etwa für das Themenfeld Sextourismus schon detailliert erschlossen haben: die Mikropolitiken des Verhandelns sexueller Arbeit, die Handlungsmacht der wie auch immer prekarisierten Akteur*innen und das Fordern (oder Verweigern) materieller und symbolischer Entlohnung (z.B. Brennan 2004; Padilla 2007). Auf der Ebene der kritischen Analyse also zieht das AidToo-Engagement ganz wie auf der Ebene der Bündnispolitik tendenziell selbst Grenzen ein, und es bleibt für mich eine der vielen offenen Fragen, warum es in dieser medialen Öffentlichkeit nahezu unmöglich scheint, anders denn in der Denkfigur von Verbot und Zwang über sexuelles und ökonomisches Begehren zu reflektieren.

PSEAH oder Stör mich nicht mehr! Institutionelle Antworten auf AidToo

Zu AidToo als politischem und medialem Prozess gehören ganz unmittelbar die strategischen institutionellen Reaktionen auf die erhobenen Vorwürfe. Wie lassen sich die Antworten und Maßnahmen der betroffenen NGOs und der staatlichen Einrichtungen queer-feministisch und post-/dekolonial lesen, und wie verlief die Aufhebung der "Störung" durch AidToo? Ich gehe hier nicht näher auf die Rücktritte und Versetzungen ein, die in nahezu allen beteiligten Organisationen erfolgten, auch nicht im Einzelnen auf deren Medienstrategien, sondern auf die als mittel- und langfristig definierten strukturellen "Neuerungen". Wenn weiterhin zutrifft, was Kritiker*innen dem "development" bescheinigen, nämlich, dass seine Logik Handeln und Reflektieren in politischen Kategorien letztlich verunmöglicht (z.B. Ferguson 1994: 254-256), bleibt dann trotzdem noch Raum für unerwartetes Aufstören?

Es kommt nicht unerwartet, dass die Konsequenzen des Oxfamskandals in starkem Maß in einer Vervielfachung von Richtlinien, policy-Dokumenten, Grundsatzstatements, Strategiepapieren, Berichten, Fortschrittsberichten, Kommentaren zu den Berichten und nochmals neu formulierten Richtlinien bestanden. Codes of conduct rückten ins Zentrum der Textproduktion. Schon seit den Aufdeckungen sexueller Ausbeutung von Kindern im Handlungsbereich humanitärer NGOs in mehreren westafrikanischen Ländern – Liberia, Guinea, Sierra Leone, 2002 –, dann dem so genannten "food-for-sex"-Skandal bei UN-Friedensmissionen im Kongo 2004 und den anschließenden Untersuchungen durch Save the Children zur Elfenbeinküste, dem Süd-Sudan und Haiti[13] schärfen bilaterale und multinationale Hilfsorganisationen ihre Verhaltensrichtlinien. Sie verfügen mehr oder weniger alle über einen Code of conduct. Das Akronym SEA (Sexual Exploitation and Abuse) setzte sich unter Insider*innen durch, gelegentlich erweitert auf SEAH (H für Harassment), oft mit dem vorangestellten P für "Protection from". Dass SEA(H) in der Praxis wenig Verbindung aufweist zu den Präventionsansätzen, die mit GBV (Gender-based Violence) und VAWG (Violence against Women and Girls) abgekürzt werden, betonen Praktiker*innen selbst immer wieder. Das von einigen Sex/Gender-politisch engagierten Akteur*innen in den 2000er Jahren so begeistert geschöpfte Konzept zum Akronym SOGI oder SOGIE (Sexual Orientation and Gender Identity/Gender Expression), sozusagen die Übersetzung queerer, trans-affirmativer, non-binärer und weiterer nicht-normativer Verständnisse geschlechtlicher Ordnungen in das Reglement eines entwicklungspolitischen Zugangs, taucht in den SEA-Thematisierungen, soweit ich dies eruieren konnte, gar nicht auf.

Ich betrachte Oxfam ein wenig näher. Oxfam hatte, was in den Diskussionen um sexualisierte Gewalt recht selten genauer reflektiert wird, eine historische Vorreiterrolle in Sachen Frauen in der Entwicklungspolitik. Seine Trainingshandbücher zum "Genderansatz" (Williams u.a. 1994) zählten in den 1990er Jahren zu den bekanntesten und meistverwendeten. Die innerorganisatorischen Kämpfe von Genderexpert*innen, das Auf und Ab der Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit, die Erfahrungen "feministischer Bürokratinnen" sind gerade hinsichtlich Oxfam ausführlich beforscht.[14] Oxfam Großbritannien publiziert seit 1993 mit der Zeitschrift Gender and Development das bedeutendste wissenschaftliche Journal in diesem Feld. (Der "Skandal" und AidToo fanden hierin mindestens bis Herbst 2019 allerdings keine genauere Erwähnung.) Meiner Wahrnehmung nach wird in diesem Umfeld eine eigene sprachliche Verschiebung versucht, nämlich von sexualisierter Gewalt nicht so sehr hin zu Konzepten von "Schutz", sondern von "Solidarität", wobei Solidarität hier in erster Linie schwesterliche Selbstsorge konnotiert. Das Konzept zum Schwerpunktheft Re-Imagining International Development (erschienen im Frühjahr 2020) bezieht sich auf eine große, von einer charity-erfahrenen Coach organisierte Online-Konferenz mit dem Titel Healing Solidarity. Kurz und flüchtig spricht der call for contributions von "a postAidToo world", führt aber nicht näher aus, wie dies gemeint ist.[15]

AidToo und sein bürokratisches "Post", also: Oxfam Großbritannien, die vom "Skandal" vorrangig betroffene Teilorganisation von Oxfam International, erhielt im Februar 2018 staatlicherseits Auflagen für die weitere Arbeit und für die Aufarbeitung der Vorfälle. Große Untersuchungsberichte verfassten das International Development Committee des britischen Parlaments, die für humanitäre Organisationen in England und Wales zuständige Charity Commission und schließlich eine von Oxfam selbst beauftragte unabhängige Kommission (House of Commons & IDC 2018; Charity Commission 2019; Ineque 2019). Alle üben sie sehr ausführliche und scharfe Kritik an der Art und Weise, wie Oxfam es verabsäumt hatte, sexualisierten Gewaltvorfällen und -strukturen gegenzusteuern. Organisationell gesehen, war die Handhabung des "Skandals" eine Sache zwischen Oxfam, dem britischen Staat und den teilweise internationalen Sponsoren, die ihre Mittelvergabe stoppten. Ein wesentliches Element der Kommunikationsstrategie von Oxfam war es, Einsicht, Reue und Scham zu demonstrieren, etwa in Videostatements leitender Funktionär*innen oder in veröffentlichten Stellungnahmen zu den Untersuchungsberichten.

Das staatliche Department for International Development veranstaltete im Oktober 2018 die schon erwähnte Konferenz mit dem Titel Putting People First: Tackling Sexual Exploitation, Sexual Abuse and Sexual Harassment in the Aid Sector. Safeguarding. NGOs und AidToo-Aktivist*innen kritisierten, dass die Einladungspolitik Personen möglichst fernhalten sollte, die Gewalterfahrungen bezeugen wollten. Präsentiert wurde der Plan einer in Zusammenarbeit mit Interpol zu erstellenden Datenbank, die alle aid worker in Afrika und Asien erfassen und im Fall von sexuellem Fehlverhalten dokumentieren, überwachen und verfolgen sollte. Safe Space protestierte dagegen mit einer kleinen – seitens der Veranstalter*innen sogleich harmonisch aufgefangenen – Störaktion (vgl. Abrahams 2018; Raduly 2018). Bezüglich dieser Veranstaltung setzte sich die Bezeichnung Safeguarding Summit durch, nachdem Medien zuerst AidToo Summit oder Konferenz zum Oxfamskandal getitelt hatten.

"Safeguarding" wurde auch bei Oxfam selbst die dominierende Sprachregelung für alle reaktiven Maßnahmen, jedenfalls in seinen zunehmend zahlreichen öffentlich zugänglichen Dokumenten. Es gibt einen Zehn-Punkte-Plan zu safeguarding-Maßnahmen und regelmäßige diesbezügliche Fortschrittsberichte. Es gibt, unter der Überschrift "Safeguarding", die One Oxfam Policy on Protection from Sexual Exploitation and Abuse (neun Seiten), die Safeguarding Adults Policy (acht Seiten) und die Safeguarding Children's Policy (fünfzehn Seiten). Oxfam etablierte "safeguarding leads and teams" und erarbeitete ein "children's safeguarding toolkit". Darüber hinaus hat Oxfam Großbritannien eine unabhängig und vertraulich arbeitende "whistleblowing hotline" eingerichtet "zusätzlich zu unserem derzeitigen internen safeguarding-System", denn "wir gehen neue Wege, um Menschen Schutz zu gewährleisten".[16] Alle diese Dokumente verfügen Verbesserungen in der Personalrekrutierung, im Berichtswesen, in der laufenden Weiterbildung des Personals, im Handhaben von Vorfällen, in der Standardisierung von Eingaben und Beschwerden. Auch der 2017/18 aktualisierte Code of Conduct buchstabiert klarer als zuvor die Null-Toleranz-Politik gegenüber sexueller Ausbeutung, Übergriffen und persönlichem Machtmissbrauch aus, das heißt ein Verbot sexueller Beziehungen mit Unter-18-jährigen, mit beneficiaries und mit Anbieter*innen sexueller Dienstleistungen. Formuliert wie ein zu leistender Eid, besagt der Code weiters:

"Ich werde Geld, Beschäftigungsangebote, tatsächliche Beschäftigung, Güter oder Dienstleistungen nicht für Sex oder sexuelle Gefälligkeiten eintauschen, ebenso nicht für andere Formen erniedrigenden, herabwürdigenden oder ausbeuterischen Verhaltens. Mir ist bewusst, dass diese Richtlinien dazu dienen, sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch zu bekämpfen. Ich werde mich nach Kräften bemühen, jedwedes Fehlverhalten dieser Art am Arbeitsplatz zu melden." (Oxfam 2017: 2)

Oxfam International verfügt, für alle Teilorganisationen gültig, über eine ausführliche Sexual Diversity and Identity Rights Policy. Sie entspricht sehr genau dem seit Mitte der 2000er Jahre entfalteten queer-politischen, sexpositiven Diskurs innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit (vgl. Hacker 2013a). Es geht darin um die Bedeutung der Bedachtnahme auf Lesben, Schwule und Trans-Personen, um die notwendige Überwindung patriarchaler und heteronormativer Haltungen, um Zusammenhänge zwischen Armut und Diskriminierung nicht-normativer Sexualitäten und Geschlechter, um Gewalt, hate speech und rechtliche Regelungen; an prominenter Stelle integriert er die Erklärung der International Planned Parenthood Foundation zu sexuellen Rechten von 2008. Sexpositive rhetorische Wendungen werden mit Eifer bemüht. Gleich zu Beginn betont der Text die "Notwendigkeit, einvernehmliche Sexarbeit zu entkriminalisieren […], um […] den Schutz der Grundrechte von Sexarbeiter*innen sicherzustellen. Das ist von großer Wichtigkeit für LSBTI-communities im Süden, beispielsweise für Transfrauen vor allem in Lateinamerika & Asien"; andernfalls "würden wir weiterhin ein System mittragen, das die Verletztlichsten marginalisiert" (Oxfam International o.J.: 2)

Sexarbeit soll also umgehend ihres diskriminierenden Stigmas entkleidet werden. Wie aber kann dies ganz unverbunden neben dem klassisch als "Sexkauf-Verbot" zu bezeichnenden Reglement stehen, das den Code of Conduct und alle safeguarding-Richtlinien durchzieht?

Dass in diesen institutionellen Maßnahmen das klassische entwicklungspolitische Narrativ vom "Bessermachen" nach "Misslichkeiten" und "Misserfolgen" dominiert und dass kritische Analysen ebenso wie protestbewegte Ansätze eingeebnet werden: Dies trifft historisch schon lange zu und überrascht ja nicht. Und doch verstört die Kluft, die sich hier zwischen verschiedenen policy-Dokumenten auftut. Meines Erachtens bestätigt sie letztlich doppelt, was sich, queer-feministisch, zu den Fallstricken von diversity-Politik in Institutionen sagen lässt: "You end up doing the document rather than doing the doing" (Ahmed 2007) – am Ende machen wir Papier und nichts sonst, und dies in Endlosschleife.

Störgeräusch AidToo: ein Resümee

Meine Analyse ging vom Erschrecken aus, von der Verstörung, die das "plötzliche" Aufdecken von sexualisierten Gewaltverhältnissen im internationalen Hilfs- und Entwicklungsbusiness auslöste und die ab Ende 2017 unter dem Kürzel #Aidtoo verhandelt wurde. Dieses Aufdecken hatte aufstörende Effekte ungeachtet dessen, dass "wir" das alles ja eigentlich bereits wissen. Unter Konzentration auf drei Handlungsräume, nämlich feministisch-aktivistisches speaking out zu den Gewalterfahrungen im aid sector mitsamt der Kampagne zu #AidToo, zweitens die Reflexionen und Debatten in mehreren international rezipierten entwicklungskritischen Blogs hierzu und schließlich die strategischen Reaktionen von betroffenen NGOs, vor allem von Oxfam, habe ich aktivistische, mediale und institutionelle Strategien in Reaktion auf die "Skandale" um sexualisierte Gewalt und sexuelle Übergriffe diskutiert. Es scheint mir in besonderer Weise relevant, die Beschränktheit, die Widersprüchlichkeit, die Schwächen dieser Strategien genauer zu betrachten: Auf der aktivistischen Ebene findet sich zwar politische Anklage im Sinn eines feministischen testimonio von Betroffenen und von Whistleblower*innen, aber sie klingt verhalten, und translokale Unterstützungs- oder Selbstermächtigungsnetzwerke der Aktivist*innen blieben in starkem Maß informell und virtuell. Der feminismusaffine Diskurs, der in sozialen und Online-Medien reflexiv und beispielsweise oft klar antirassistisch vorangetrieben wurde, weist Ausblendungen und klaffende Leerstellen auf, soweit es um Heteronormativitätskritik, Sexpositivität und überhaupt um Sexarbeit als politisches Terrain geht (oder vielmehr gehen sollte). Akteur*innen im Globalen Süden bekamen zumindest in dem von mir untersuchten Kontext so gut wie keinen Raum für eigene Handlungsmacht, und sie nahmen ihn sich auch nicht im ganzen Wirbel um AidToo. An der strategischen Reaktion von Oxfam und anderen großen NGOs wiederum fällt auf, wie sehr sich hier alles auf die Ausarbeitung von neuen Grundsatzpapieren und Richtlinien konzentrierte – die Welt des "doing the documents" in aid-Institutionen erscheint einmal mehr grenzenlos befähigt, aus politischen Störversuchen bürokratische policies zu machen.

Trotzdem gilt: Zwischen und neben den Leerstellen, den Enttäuschungen, dem Nicht-weit-genug-Gehen oder -Denken stammt ein Störgeräusch von Kämpfen, von feministischen, queeren, antirassistischen, antikolonialen. Auch dafür steht AidToo.

Literatur

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Anschrift der Autorin:
Hanna Hacker
[email protected]

https://doi.org/10.3224/peripherie.v40i1-2.02

 

[1]       Die Begriffe "Skandal" und "Affäre" sind problematisch, weil sie ignorieren lassen, dass es um strukturelle Gewalt geht. Wenn ich sie verwende, sind sie immer als kritisches Zitat zu verstehen, das ich allerdings aus Gründen der besseren Lesbarkeit meines Textes nicht durchgängig unter Anführungszeichen setze.

[2]       Alle Übersetzungen durch die Autorin dieses Beitrags.

[3]       S. https://de.wikipedia.org/wiki/Oxfam, letzter Aufruf 10.1.2020.

[4]       Die Redewendung von den "Elefanten im Raum" hat eine orientalisierende und exotisierende Konnotation, die grundsätzlich zu kritisieren ist. Da es aber im von mir untersuchten Diskurs eben um Orientalisierungen und Exotisierungen geht, scheint sie mir wiederum durchaus passend.

[5]       S. z.B. https://www.youtube.com/watch?v=z9D9kUNV9h8, letzter Aufruf 10.1.2020.

[6]       Clip via https://ngosafespace.org/2018/09/26/the-journey-begins/, letzter Aufruf 10.1.2020.

[7]       S. z.B. https://www.youtube.com/watch?v=JVsUOD5Fqxk, letzter Aufruf 10.1.2020.

[8]       Z.B. https://www.changingaid.org/openletter.html#, letzter Aufruf 10.1.2020.

[9]       https://pages.devex.com/about-devex-team.html; https://pages.devex.com/membership-and-services; https://twitter.com/devex?lang=de, letzte Aufrufe 10.1.2020.

[10]      Ich beziehe Meldungen bis August 2019 mit ein.

[11]      Beneficiaries wird in der Regel mit "Begünstigte" übersetzt. Der Begriff liest sich, wenn im Kontext sexueller Übergriffe verwendet, stets höchst unpassend.

[12]      Dies gilt für Devex selbst, ebenso für den Nachrichtendienst The New Humanitarian, dessen Meldungen häufig aufgegriffen wurden, und beispielsweise für den Smart Development Blog an der Uni Malmö; s. https://www.thenewhumanitarian.org/news/2019/06/11/aid-sector-abuse-scandal-aidtoo-after-oxfam-what-watch und http://wpmu.mah.se/nmict181group2/tag/aidtoo/, letzte Aufrufe 10.1.2020.

[13]      Sexueller Missbrauch und seine Regulierungen wurden vor allem für den Bereich der UN-Friedensmissionen recht ausführlich debattiert, vgl. u.a. Otto 2007; Save the Children 2008; Simić 2012; Simm 2013; auch Lattu 2008.

[14]      Z.B. Crewe 2018; Eyben & Turquet 2013; Porter u.a. 1999; Wong 2013.

[15]      S. https://healingsolidarity.org/ und https://www.genderanddevelopment.org/uncategorized/call-for-contributions-re-imagining-international-development/, letzte Aufrufe 10.1.2020.

[16]      Dokumente downloadbar von: https://www.oxfam.org.uk/what-we-do/about-us/plans-reports-and-policies, letzter Aufruf 10.1.2020.

German
...

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